Sonntag, 6. Mai 2012

S wie...

Sangria: wer kennt sie nicht, die Sangria - ein Mischgetränk aus Rotwein und Früchten, vorzugsweise Orangen und Zitronen, manchmal auch Pfirsich und mit einem Hauch Zimt? Die spanische Version von Bowle eben und vermutlich der Albtraum jedes Weinkenners. Obwohl eine gute, nicht zugezuckerte Sangria durchaus ihren Reiz hat. In Madrid kenne ich da eine Kellerkneipe, mit einer unglaublich guten, puristischen Sangria... umgekehrt kenne ich auch Leandros "Sangria des Todes." Die gab's zu Erasmus-Zeiten krügeweise im "Respiro" einem Lokal etwa drei Häuser entfernt vom berühmten "El Tigre", wo Touristen sich um Gratis-Tapas drängeln. Leandro war Kellner im Respiro und mixte ausgesprochen gern Sangria - bestehend aus etwa 4 verschiedenen Sorten Alkohol (Rotwein, Likör und ???), 2 Fingern hoch Zucker je 0,5l Glas, Eis und ganz oben, wenn noch ein Finger hoch Platz im Becher war, kam ein Schuß Fanta drauf, um den Obstanteil genüge zu tun. Mit Sangria hatte das Getränk eigentlich wenig gemeinsam, aber naja... man wird älter und klüger!


Salamanca: mit dem Zug etwa 3 Stunden nordwestlich von Madrid (vielleicht geht's mittlerweile sogar schneller, wo's den AVE Media Distancia, einen Mittelstrecken-Hochgeschwindgkeitszug, gibt) liegt Salamanca in der Provinz Castilla y León. Salamanca ist berühmt für sein gepflegtes Spanisch, Hochkastillisch - viele Lernende kommen im Sommer für Kurse an die Universität von Salamanca. Die Universität ist die älteste Spaniens - die älteste immer noch bestehende, denn die Uni von Palencia wäre älter, wenn dort noch gelehrt würde.  Außerdem teilen sich Salamanca und Madrid die Ehre, die schönste Plaza Mayor Spaniens zu haben - oder streiten sich drum, je nachdem... Weiters ist Salamanca berühmt für seine Fleischermeister, die angeblich mit die besten Embutidos im Land herstellen. Und dann sind da die Fassaden - in keiner anderen Stadt gibt es so viele Details an den Häusern zu entdecken, wenn man nur genau schaut... da ist die Casa de Conchas mit der auffälligen Muschelfassade. Bei der Universität und der Kathedrale muss man schon genauer schauen. An der Uni ist es üblich nach dem "Totenkopf und dem Frosch" zu suchen. Diese sind auch von jeher Teil der Fassade. Anders bei der Kathedrale, hier haben sich Restauratoren einen Spaß erlaubt und kleine moderne Details zur Stuckarbeit der Fassade hinzugefügt: einen Astronauten, einen Hasen mit roten Augen, einen Hund mit einer Eistüte... wer alle entdeckt, darf sich was wünschen!


Stierkampf: der Stierkampf ist untrennbar mit Spanien verbunden, wenn er Tierschützern auch noch so ein Dorn im Auge ist. In manchen autonomen Regionen, wie z.B. Katalonien, ist der Stierkampf mittlerweile verboten und im Gegensatz zu früher, wo von Mai bis September fast jedes Wochenende die Stiere dran glauben mussten, wird heutzutage nur mehr zu hohen Feiertagen oder Ferias gekämpft. Tatsache ist auch, dass der Stierkampf in Südamerika mittlerweile populärer ist als in Spanien. Dennoch, ganz wegdenken kann man in in Spanien nicht. Also zum Ablauf folgendes: es gibt den Torero, der mit dem Stier kämpft - sein Ziel ist es dem Stier einen Stoß in den Nacken zu versetzen, sodass dieser gleich stirbt , möglichst ohne Qual... dann gibt es noch Reiter, die den Stier antreiben und provozieren, da lässt sich zum Thema Tierquälerei dann schon streiten. Wenn der Torero den Stier erlegt und das Publikum zufrieden ist mit der Vorstellung, dann gibts ein oder zwei Ohren für den Torero - je nachdem wie sehr er das Publikum begeistert hat. Und mit Ohren sind wirklich die Ohren des Stiers gemeint, die werden ihm dann abgeschnitten und dem Torero gegeben. 


Was nicht stimmt ist die Sache mit dem roten Tuch - meistens ist es auf einer Seite gelb und auf der anderen rosa, es geht um die Bewegung, der Stier ist farbenblind. Auch noch wissenswert - von 5 Euro bis 2000 Euro ist nahezu jeder Preis möglich, wenn man einen Stierkampf sehen will - das kommt darauf an welcher Torero kämpft, darauf ob man sol oder sombra (Sonne oder Schatten) sitzen möchte, etc. Die meisten Arenas haben eine Königsloge - Juan Carlos ist ja bekennender Fan - und architektonisch sind die Arenas recht interessant, oft sind sie sehr alt (die älteste steht in Ronda). Ventas in Madrid ist im andalusischen Mudejar-Stil gebaut, sehr ungewöhnlich für die Hauptstadt! 
Man kann davon halten was man will, der Stierkampf gehört hier zur Kultur und naja, manchmal gewinnt ja auch der Stier!

R wie...

Rioja: la Rioja ist eine Region im Nordwesten Spaniens, im Ebrobecken. Ebenso ist der Rioja ein Wein, der aus eben dieser Region kommt. Den größten Teil Anbauflächen wird für Rotwein genutzt, es gibt aber auch Weißweine aus der Region. Natürlich denkt man wenn man Rioja hört, aber erst mal an die schweren Roten... diese Weine werden streng kontrolliert, nur Weine aus der Region werden mit dem DOC-Kennzeichen versehen (DOC = denominación de origen calificada - von qualifizierter Herkunft).
Böse Zungen behaupten, dass längst nicht alle Trauben, die in der Rioja zum Vino de Rioja verarbeitet werden, auch in der Rioja gewachsen sind - ganz korrekt wäre das mit dem DOC-Siegel dann doch nicht. Aber vielleicht ist das ja auch nur eine gemeine Unterstellung. 
Für den klassischen Rotwein Rioja werden in erster Linie Tempranillo Trauben verwendet, der Wein wird in Barriquefässern ausgebaut, schmeckt dementsprechend auch leicht herb und hölzern. Je nach Ausbaugrad unterscheidet man den jungen "Crianza" (2 Jahre, davon 1 Jahr im Barrique), den "Reserva" (mind. 3 Jahre, davon mind. 1 Jahr Barrique) und den Gran Reserva (5 Jahre und älter).


Ribeiro: und weiter geht's mit Wein. Der Ribeiro ist ebenfalls ein DOC-Wein, der aus Galizien stammt. Anders als in der Rioja, keltern die Winzer der Region Ribeiro (dt. Uferland) in erster Linie Weißwein - den man durchaus probieren sollte, denn auch wenn die Spanier ein Rotwein-Volk sind, kann sich spanischer Weißwein sehen und vor allem trinken lassen. Prost, oder wie man in Spanien sagt Salud! 

Q wie...

querer: auf Deutsch "mögen, lieben". Weder auf Deutsch noch auf Spanisch ist mit dem Buchstaben Q viel anzufangen, aber auf spanisch gibt es wenigstens das schöne Q-Wort querer. Nachdem die Spanier leidenschaftliche Menschen sind, wird zwischen mögen und lieben kein Unterschied gemacht wie im Deutschen, sondern eben das gleiche Vokabel verwendet. 
Was uns gleich zu einem kleinen Exkurs in die spanische Sprache führt: an sich ist spanisch keine allzu schwere Sprache, wer zu Schulzeiten Latein und/oder Französisch hatte, dem wird vieles bekannt vorkommen. Aber zwei Dinge können einem Neu-Lerner echte Schwierigkeiten bereiten. 
Erstens, wie man an querer für "mögen" und "lieben" sieht, ist Spanisch eine eher wortarme Sprache. Viele Ausdrücke erhalten ihre Bedeutung dadurch, dass ein Vokabel mit einer bestimmten Präposition kombiniert wird. Das gleiche Vokabel mit einer anderen Präposition kann etwas völlig anderes heißen, Missverständnisse sind für den Neuling vorprogrammiert... aber die Spanier wissen meistens was man meint und sind verständnisvoll. Ich selber habe als Neo-Spanierin meine Arbeitskollegen regelmäßig mit meinen Wortschöpfungen erheitert. Bei mir lag das Problem nicht bei den Präpositionen, sondern bei Trugschlüssen. Lang heißt auf spanisch longo/a, die Länge ist die longitud. Ich dachte also wenn ancho/a breit heißt, dann müsse die Breite la anchitud sein...es ist aber la anchura.
Zweitens, und das werden alle kennen, die mal Französisch gelernt haben, gibt es im Spanischen den "Subjunctivo" und das "Condicional". Beides sind Möglichkeitsformen, beide  können in verschiedene Zeiten konjugiert werden, aber sie werden unterschiedlich verwendet... ich gebe ehrlich zu, dass ich selber bis heute nur weiß, wann ich den Präsens-Subjunctivo verwenden muss und manchmal bekomm ich's auch mit der Vergangenheit richtig hin, aber die Zukunft und der Unterschied zum Condicional sind bis heute eine verworrene Sache für mich! Und Otto-Normalspanier kann einem da auch nicht helfen, die lernen die Verwendung nämlich ganz intuitiv, und wissen selber nicht warum sie wann welche Form verwenden... nur keine falsche Scham also, einfach drauf losreden ist die Devise!

Donnerstag, 26. April 2012

P wie...

Pais Vasco: das Baskenland oder auf baskisch Euskadi. Das spanische Baskenland ist eine autonome Gemeinschaft (mit gewissen Sonderkonzessionen, ähnlich Katalonien) und umfasst die drei Provinzen Bizcaya, Gipuzkao und Álava. Auch Navarra ist baskisch geprägt, gehören aber formell nicht zum Baskenland.

Baskische Volkstänzer
Während das im französischen Baskenland kein Thema ist, gibt es im spanischen Baskenland Stimmen, die nicht nur Autonomie, sondern die komplette Abspaltung des Baskenlandes vom spanischen Staat fordern. Die Organisation ETA versuchte jahrzehntelang  diese Bestrebungen mit Terroranschlägen wie Autobomben und Ermordungen hochrangiger Politiker oder Polizisten durchzusetzen. Derzeit herrscht offiziell Waffenruhe und die ETA gilt als aufgelöst. Ich erinnere mich, dass ich es einigermaßen verstörend fand, als ich auf dem Madrider Flughafen erstmals ein Fahndungsplakat sah, mit dem nach ETA Terroristen gesucht wurde. Es sah ziemlich genau so aus, wie die Kopfgeld-Plakate, die man aus Western kennt. Auch heute kann man auf Bahnhöfen oder Flughäfen noch auf so eine Fahndungsmeldung stoßen. Mehr soll hier zu dem Konflikt nicht gesagt sein, denn das schöne Baskenland hat mehr zu bieten, als organisierten Terror: Bilbao und das Guggenheim -Museum, San Sebastian mit Strand und Spitzengastronomie, oder das geschichtsträchtige Dorf Guernica. 

San Fermin Denkmal in Pamplona
Pamplona: liegt offiziell in der Region Navarra und damit nicht im Baskenland, die baskische kulturelle Prägung ist jedoch recht stark. Das sieht man an den Namen der Bars und Cafés, bei denen man über viele z, x, und k's stolpert. Pamplona ist vor allem für zwei Dinge berühmt: San Fermín, das sind die Feiertage des heiligen Fermín, an denen das berühmte Stierrennen - la corrida - durch die Altstadt stattfindet. Eigentlich organisierter Wahnsinn; die Gassen sind eng und recht verschlugen, es gibt nicht viel Platz um dem Stier auszuweichen. Dementsprechend gibt es auch jedes Jahr einige mehr oder weniger stark verletzte. Aber hinter den Absperrungen als Zuschauer ist man doch recht sicher, wenn man das Ganze zumindest mal gesehen haben will... Die zweite Berühmtheit Pamplonas: Ernest Hemingway. Der Literat lebte einige Zeit in Pamplona, ging hier in diversen Bars ein und aus und diese Lokale vermerken das natürlich bis heute an der Tür. Speziell am Hauptplatz Pamplonas ist es schwer ein Lokal zu finden, in dem Hemingway nicht war. Hemingway schrieb mehrere Essays und Romane über den Stierkampf, der es ihm angetan hatte, und über den Spanischen Bürgerkrieg und wurde damit zum Lokalheld.

Pimientos de Padrón: sind eine kleine spanische Köstlichkeit mit Nervenkitzel. Die Padrones sind eine Kreuzung aus Mini-Paprika und Chilis. Sie sind grün, rundlich und kaum fünf Zentimeter lang. Man röstet sie bis ihre Haut Blasen wirft und leicht schwarz wird und bestreut sie dann nur mehr mit groben Meersalz - einfach und sehr schmackhaft. Aber: man weiß nie was man bekommt, Padrones können mild und angenehm oder feuerscharf sein. Es gibt nichts woran man ihnen ansehen könnte, wie scharf sie sind - man weiß es erst wenn es zu spät ist. Aber das macht auch ein bisschen den Reiz aus, sich einen Teller Padrones zu teilen; dass es da immer einen gibt, der plötzlich mitten im Gespräch ganz unvermittelt losprustet und rot anläuft...

O wie...

ONCE: ist der spanische Blindenverband, die Organización Nacional de Ciegos de España. Sie hat eine Lotteriekonzession. Überall in Spanien bekommt man auf der Straße, vor Supermärkten oder in eigens dafür vorgesehenen kleinen Kiosken von Blinden die Lose angeboten. Nachdem blinde Menschen  vielleicht nicht so leicht einen sicheren Arbeitsplatz finden, ist die Idee hinter der Lotterie und dem Losverkauf auch karitativ. Ziehungen finden täglich statt. Es gibt kein Lotterie-Monopol: Die große Weihnachtslotterie wird z.B. nicht, wie man bei einer wohltätigen Organisation annehmen könnte, von der ONCE, sondern von einem Konkurrenten veranstaltet.

Sonntag, 22. April 2012

N wie...

Nationalparks: es gibt 14 Nationalparks (Parque Natural) in Spanien. Acht am Festland, die anderen auf den Inseln. Ich selber war bis jetzt nur in einem davon, im andalusischen Parque Natural de la Doñana. Dort habe ich allerdings den Eindruck gewonnen, dass die Spanier eine etwas komische Auffassung von Naturschutz haben. Das mehrere Hektar große Gebiet ist mit Stacheldrahtzaun umgeben. Im Inneren gibt es erst mal einen großen Parkplatz, wo man sein Auto stehen lässt - nur um sich dann eine Art Ranger samt Jeep zu nehmen, der einen dann auf Schotterstraßen mehrere Stunden durch den Park chauffiert! Alternativ kann man auch auf Wanderwegen zu Fuß den Park erkunden. Diese Wege sind allerdings eher Bootsstege, richtig befestigt mit Schiffsplanken. Beides folgt dem Motto "Bloß nicht zu viel Berührung mit der Natur!" Denn wer einen Fuß auf den Boden des Nationalparks setzt, der zerstört ihn ja potentiell, und das Gebiet wird ja geschützt! Ich nehme mal an, dass es auch an der Parkleitung liegt, wie so ein Nationalpark aufgezogen wird und dass es woanders im Nationalpark vielleicht auch anders zugeht, aber in Doñana war es beinahe schon unwirklich!

M wie...

Jardín de los Ausentes im Retiro-Park
Madrid: ist die spanische Hauptstadt, mit rund 3,3 Millionen Einwohnern die drittgrößte europäische Hauptstadt. Bis 1561 war Madrid mehr ein Dorf als eine Stadt, dann aber wurde das Dorf von Philipp II. zur Hauptstadt auserkoren, aufgrund der geographischen Lage mitten im Herzen des spanischen Reiches. Damit begann der Aufschwung der Stadt. Immer wieder war die Stadt besetzt oder belagert (Napoleonische Kriege, Karlistenkriege, Spanischer Bürgerkrieg), aber die Madrileños ließen sich nicht so leicht unterkriegen. 
Am 11.September 2004 ereigneten sich am Madrider Südbahnhof Estación de Atocha Terroranschläge in mehreren S-Bahn Zügen bei denen 191 Menschen getötet wurden. Nahe dem Bahnhof haben die Opfer der Anschläge ein "Bio"-Denkmal im Parque del Buen Retiro bekommen: den Jardín de los Ausentes (Garten der Abwesenden), in dem für jedes Opfer eine Zypresse oder ein Olivenbaum gepflanzt wurde. Zypressen und Oliven symbolisieren die Ewigkeit und wo man in Spanien Zypressen sieht, ist ein Friedhof oft nicht weit.

Sehenswertes gibt es in Madrid einiges: Ein architektonisch ergiebiger Spaziergang kann zum Beispiel von der Catedral de la Virgen de Almudena und dem Palacio Real über die Plaza de España und die Gran Via führen, wo man auf den Paseo del Prado einbiegt und diesem bis Atocha folgt - wer will kann sich dann im Retiro Park erholen. Auf diesem Weg wird man die Madrider Katedrale und den Königspalast sehen, das unter Franco gigantomanische Edificio de España, das Edificio Metropolis mit seiner markanten Kuppel und die ehemalige Hauptpost, die "Cibeles." Wer dann noch weiter bis nach Atocha spaziert, der sollte auch gleich in den Bahnhof hineingehen, selbst wenn er nicht vorhat einen Zug zu nehmen - der alte Bahnhofsteil ist heute ein riesiges Palmenhaus, mit tropischem Klima und Schildkröten-Teich.

Die Tio Pepe-Leuchtreklame an der Plaza Puerta del Sol
Kein Weg führt vorbei an der Plaza Puerta del Sol, oder einfach kurz Sol - die Sonne. Hier befinden sich das alte Rathaus; hier liegt der Kilometer Null, der den Beginn sämtlicher spanischer Straßen markiert; außerdem überstrahlt der Tio Pepe, der Onkel Josef, den Platz und wacht über die Madrileños. Die Reklametafel der Firma Gonzalez Byass über der Puerta del Sol war früher in guter Gesellschaft, dann aber wurden sämtliche Reklamen entfernt - nur der Tio durfte nicht weg, das war den Madrileños wichtig! Von SOl gehts auch ganz flott auf die Plaza Mayor, ein klassischer spanischer Platz, ein Rechteck komplett von Häusern umgeben. Durch mehrere Rundbögen gelangt man in verschiedene Stadtviertel. Am Fuße des Südwest-Ausganges, steht die Kirche San Isidro, dem Stadtheiliger. Sein Feiertag, an dem arbeitsfrei ist, ist der 15. Mai. In etwa zu dieser Zeit im Mai findet in Madrid auch de Feria del Libro statt. Bei dieser mehrtätigen Buchmesse säumen kleine antiquarische Stände den Paseo del Prado und man kann von Stand zu Stand flanieren und sich mit Lesestoff eindecken. Durch den Südwest-Ausgang kommt man auch ins Stadtviertel La Latina, wo jeden Sonntag vormittag der große Flohmarkt El Rastro einlädt. Außerdem eigenen sich die Calle Cava Baja und Cava Alta, ebenfalls in La Latina, die ganze Woche über zum abendlichen Ausgehen.  

Wer sich die zahlreichen Museen und Kunstgalerien (Museo del Prado, Centro de Arte Reína Sofia - hier hängt Picassos La Guernica, etc.) oder den Königspalast ansehen möchte, der sollte eines wissen: die Spanier sind kunstsinnige Menschen und auch Leute mit vielen Kindern oder kleinem Budget sollen die Möglichkeit haben, immer wieder ins Museum zu gehen. Daher gibt es in vielen Museen an bestimmten Tagen oder zu bestimmten Zeiten den Eintritt gratis. Wer die Zeit und die Muße hat, sich nach diesen Zeiten zu richten, der kann unter Umständen viel Geld sparen. Empfehlenswert und immer gratis ist das Caixa Forum, gestiftet von einer Bank. Das Gebäude ist architektonisch spannend, die Ausstellungen wechseln regelmäßig - eröffnet 2008 ist es noch ein bisschen ein Insider-Tipp, drängeln wie im Prado wird man sich hier nicht.

Wichtig ist natürlich auch das Nachtleben in Madrid und hier sprudelt es wirklich. Nachdem man sich von einer Tapas-Bar zur nächsten gearbeitet hat, ist zwar der Magen gefüllt, aber die Nacht noch lange nicht zu Ende. In Sachen Tapas empfehle ich z.B. die Casa Labrador (Spezialität Bacalao), das Ñeru (wirklich GUTE Gratis-Tapas) oder El Abuelo (jede Menge Garnelen) Hotspots für lange durchtanzte Nächte sind die Calle de Arenal, die Plaza Santa Ana, das gesamte Viertel Chueca und die Gegend um die Metro-Station Tribunal. In der Calle Arenal finden sich eher normale Clubs mit House und Dance Music, wer's rockiger mag, der wird sich in Tribunal wohler fühlen. Wer mal was ganz anderes erleben will, der kann eine Travestie-Show in Chueca, dem Regenbogen-Viertel, besuchen.
Und morgens geht's dann ab in die Churrería San Gínes.

Ach, ich beginn die Stadt zu vermissen während ich das alles schreibe - sollte einer meiner Leser demnächst hinfahren, es gibt noch sooo viel mehr Tipps, die ich für euch hätte, aber es hat einfach nicht alles Platz. Fragt also einfach nochmal nach!

Manchego: el queso manchego ist ein spanischer Käse aus der Region Castilia-La Mancha. Meist wird er eben nur Manchego genannt und er fehlt normalerweise auf keinem plato de ibericos, also einer Vorspeisenplatte voller spanischer Köstlichkeiten. Erhältlich ist der Käse in verschiedenen Reifegraden, je nachdem ist er dann weicher und mild (fresco, semicurado) oder schon ein festerer Schnittkäse mit mehr Aroma (curado) bis hin zu einem Hartkäse, der an Parmesan erinnert (viejo) - wobei man den Vergleich zum Parmesan niemals vor einem Spanier ziehen sollte: für die Spanier ist ihr Manchego schlicht weg El Queso, also DER ultimative Käse. Das geht soweit, dass Käse essen zu einem ausgewachsenen Event wird. Kurz nachdem ich in Spanien begonnen hatte zu arbeiten, wollten meine Kollegen eine Manchego-Party machen - unser Chef hatte von ihnen einen 2-3kg schweren Käselaib zu Weihnachten bekommen. Ich musste aber genau da zur Uni, was für meine Kollegen plötzlich ein Drama war. "Aber dann verpasst du ja DEN Käse..." waren alle ganz entsetzt, und das nicht nur weil ich aus Österreich komme und sie "der Fremden" den Käse schmackhaft machen wollten, sondern weil man sich Manchego und eine Feier entgehen lässt... Er ist aber auch wirklich gut. Was in Spanien auch beliebt ist "queso con membrillo" - Käse mit einem festem Quittengelee,ein geschmackliches Erlebnis. Eine spezielle Delikatesse ist Manchego, eingelegt in gutem nativen Olivenöl...klingt erst mal gewöhnungsbedürftig, schmeckt aber. Und vor allem macht das Einlegen den Käse länger haltbar - als ich von einer Freundin, die mich in Wien besuchte, aus Castilia-La Mancha einen kindskopfgroßen 2 Kilo schweren Käse bekommen habe, war klar, dass man den nicht einfach so essen kann. Also wurde er stückweise an liebe Menschen weitergegeben, damit nciht nur ich sowas Gutes habe und der - immer noch beachtliche Rest - eben eingelegt.

Murcia: Murcia ist einerseits eine Stadt und eine Comunidad (also in etwa ein Bundesland) im Süden Spaniens. Die Stadt selbst liegt ein bisschen landeinwärts, aber es gibt in der Comunidad zahlreiche Orte, die an der Mittelmeerküste liegen. Ich selbst war in San Pedro del Pinatar, einem Ferienort. Allerdings, so schien mir damals, mehr für spanische Touristen, die hier eine Ferienwohnung haben, als für Ausländer. Der Ort liegt (wie fast alle Badeorte der Region) am Mar Menor, einer geschützen Bucht, wo das Wasser, weil jegliche Strömung fehlt, warm wird wie in der Badewanne. Als bekennender Atlantik-Fan muss ich sagen, erfrischend ist was anderes. Murcia selbst ist eher kein klassisches Touristenziel und ich kann nicht viel darüber erzählen, aber ein kurioses Detail am Rande habe ich doch zu bieten: wer sich Spanier immer klein, drahtig, braungebrannt und schwarz-haarig vorstellt, der wird in der Gegend um Murcia sein blaues Wunder erleben oder eigentlich sein rotes. In grauer Vorzeit hat es selbst die Wikinger mal nach Murcia verschlagen und was geblieben ist, sind großgewachsene, rothaarige Spanier, voller Sommersprossen und mit einer Haut, die nach Lichtschutzfaktor 50+ schreit!